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      <title>Ich will, ich will, ich will</title>
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      <pubDate>Sun, 19 Jun 2011 17:03:18 +0200</pubDate>
      <description>Ein Essay über das Wünschen, Wählen und Wollen.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Gestern in der S-Bahn schrie ein Baby, so wie jeden Tag in jeder S-Bahn mindestens ein Baby schreit. Es rappelte in seinem Sitz-Kinderwagen hin und her und streckte sich nach irgendetwas, das seine Mutter (die fiese Kuh) ihm gerade entwendet hatte. Das Einfordern wurde immer lauter und vehementer, wie das Nölen eines Staubsaugers, der glaubt, er hätte die Macht, den Badvorleger am Stück zu verschlingen. Doch die Mutter blieb stur und gab ihrem Kind das gewünschte Etwas nicht zurück. Sollte es doch weiter schreien – und sollten sich die Geduldsfäden der restlichen Fahrgäste ruhig weiter aufdröseln. In meinem Fall wurden die Nerven von dem Lärm allerdings nicht getötet, sondern tatsächlich aufgeweckt. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Dieses Geschrei, fiel mir auf, bedeutet ja eigentlich nichts anderes als: „Ich will das haben!“ Irgendwie erstaunlich, wie man sich so im Laufe des Lebens damit abfindet, dass man dies und jenes eben nicht haben kann. Ganz am Anfang schreit man noch, später nervt einen dieses Schreien so, dass man nicht mal mehr merkt, wie man sein eigenes Schreien permanent unterdrückt. Man kann nicht alles haben. Ja, aber ändert das etwas daran, dass man – tief drinnen – am liebsten doch alles hätte? &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Das Sich-Begnügen kommt mir wie das größte Kunststück vor, das ein Mensch im Laufe seines Lebens zu bewerkstelligen hat – eine ziemliche Sisyphus-Arbeit. Denn hinterrücks, wie eine nuckelklauende Mutter, hat die Natur uns in die Gene gepinselt, dass unsere Wünsche und Ansprüche mit uns mitwachsen. Sie werden, genau wie wir, immer komplexer und beginnen sich mit der Zeit sogar gegenseitig auszuschließen. Also versuchen wir, uns im Laufe des Lebens von dem ein oder anderen Wunsch zu verabschieden. Jeder schmiedet seinen eigenen Kompromiss mit sich selbst und seinen Ansprüchen. Man positioniert sich in der Prioritätenmatrix an einem höchst individuellen Fleck – der vielleicht so einzigartig ist wie ein Fingerabdruck. Man nennt das dann ganz künstlerisch „Lebensentwurf“.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Ich will durch die weite Welt reisen, mich immer wieder neu entdecken ... und mich zu Hause fühlen, ein eigenes kleines Universum bauen, mit den Kindern im Garten spielen. Ich muss mich entscheiden. Ich will Aufmerksamkeit ... und ich will meine Ruhe haben. Ich will Kontrolle! Ich will nachts um drei ein Spanferkel grillen, wenn mir danach ist ... aber ich möchte keinem Ferkel was zuleide tun. Ich will mich verantwortungsvoll gegenüber Planet &amp;amp; Partner verhalten ... und das Leben bis zum letzten Zug ausschlürfen, nichts verpassen. Ich werde vieles verpassen, es wird an mir vorüberfliegen! Deshalb will ich es festhalten, will alles besitzen, was man besitzen kann ... und doch frei und leicht wie ein Vogel sein. Ohne Ballast. Ich will jeden Tag auf‘s Neue entscheiden, was ich eigentlich will. Ich will...&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Die sehnsüchtige Philosophie, dass prinzipiell alles möglich werden kann, ist heute allgegenwärtig. Diesem Satz fehlt jedoch der erklärende Untertitel: „Ja, aber nicht alles gleichzeitig!“ Trotzdem hechelt die moderne Mittelschicht einem medial dargebotenen Wolkenkuckucksheim vom perfekten Leben hinterher. Die Hoffnung darauf, dass persönliche Utopien wahr werden, ist kein Traum mehr, den man im stillen Kämmerlein träumt. Es ist stattdessen in weiten Kreisen ein höchstöffentlicher Anspruch auf absolute Selbstverwirklichung entstanden. Und in Anbetracht der vielfältigen Chancen, die man heutzutage hat, kommt es fast einem Scheitern gleich, sich nicht zu verwirklichen. Die Freiheiten wachsen, und damit auch der Druck sie zu nutzen. Freiheit angesichts eines Überangebots (von was auch immer), ist allerdings eine Qual (nämlich die der Wahl).  &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Das Sich-Entscheiden-Müssen zwischen Dingen ist ein Prozess, dem das Gefühl von Verlust und Verzicht anhaftet. Trotzdem gilt es als Privileg wählen zu „dürfen“. Und privilegiert wie wir sind, „dürfen“ wir uns ständig zwischen verschiedenen Angeboten, Vorschlägen und Alternativen entscheiden. &lt;br/&gt;Die Marktwirtschaft zum Beispiel, die sich unseres Lebens freundlicherweise von A-Z angenommen hat, tritt täglich als seriöser Bittsteller verkleidet an unsere Tür. Und dann dürfen wir wieder wählen: zwischen Ausbildung A oder B, bzw. Staubsauger C oder D. &lt;br/&gt;Nein wir „dürfen“ das nicht nur – wir müssen. Entscheidungen müssen doch getroffen werden, denn dazu sind sie ja da. Und ich bin schließlich derjenige, der hier die Entscheidungen trifft – oder wie oder was? &lt;br/&gt;Was wir dürfen, aber kaum noch können vor lauter Wahlfreiheit und Entscheidungsorgien: In uns hineinhören. Uns selbst zuhören, dann nachdenken und irgendwann vielleicht einmal: wissen. Wissen was gut ist. Für einen selbst und sowieso.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Es gibt hunderttausend Meinungen und eine Million Wörter, die wir jeden Tag zu hören bekommen. Und es ist sehr schwer, sich vorzustellen, dass all das, was wir da hören rein überhaupt nichts mit uns selbst zu tun hat. Doch so ist das wohl. Hunderttausend Meinungen sind hunderttausend Meinungen. Wir können uns eine davon aussuchen – aber das wird nicht unsere eigene sein.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;A, B, C oder D? Nehmen wir mal an, das wären die vier Wege im Leben, die zur Auswahl stehen. Und irgendein höheres Wesen – sagen wir ein Katze – stellt uns vor die Wahl, bevor es uns ins Leben entlässt. Nun, ich prophezeie folgenden Ablauf für dieses Szenario: wir werden eine ganze Weile die Vor- und Nachteile von A, B, C, und D abwägen. Dann, irgendwann, wird ein undefinierbarer Wunsch in uns aufploppen: Der Wunsch nach einem „E“. Wir haben keinen Schimmer, wie dieses „E“ aussehen soll, aber wir wünschen uns, es wäre da. Und dann tippt die Katze mit der Pfote auf die Uhr und wir entscheiden uns für – ach was soll‘s – „B“.&lt;br/&gt;Tja. Wer bestellt schon im Restaurant etwas, das nicht auf der Karte steht? Wer rennt durch die Wand, wenn die Wand tausend Türen hat? Wir versuchen zufrieden zu sein mit den Buchstaben, den Türen und den Mahlzeiten, die das Leben uns vorsetzt. Das ist das einzig Vernünftige. Sich zu begnügen.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Aber was geht denn zum Beispiel vor sich, wenn ein Kind mit nichts als einem Stock in den kargen Innenhof zum Spielen geht und als diplomierter Löwendompteur zurückkommt? Es begnügt sich mit einem Stock und bekommt dafür die phantastischste, bunteste Welt eines Zirkuszeltes geboten. Welches Wort wäre hier wohl mehr fehl am Platz als eben dieses „Sich-Begnügen“? Es fällt eben leichter, mit etwas zufrieden zu sein, das aus einem selbst heraus entstanden ist. Es verleiht einem das Gefühl von Sicherheit und Selbstständigkeit. Schaffenskraft und Phantasie machen unabhängig. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Nur in der Berufswelt hat das Wort „Phantasie“ mitunter einen negativen Beigeschmack (wenn man es nicht gerade mit „Innovation“ verwechselt). Den Beigeschmack von Träumerei, von Ergebnislosigkeit. Den von Zerstreuung, dort wo eigentlich Fokussierung von Nöten wäre. Doch ohne Phantasie kann es eigentlich gar keinen Fokus geben – zumindest keinen wahren, keinen persönlichen. Phantasie ist schließlich das Tor zu unserer Kindheit. Zu unseren Wünschen und Hoffnungen und damit zu uns selbst. Nun muss man sich fragen, was das für eine Welt ist, in der es beizeiten unerwünscht sein kann, zu sich selbst zurückzufinden.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Ich gehe mit meinem Stock in den Innenhof unseres Hauses, um nach meinem Löwen zu schauen. Mich empfängt stattdessen eine Fee, die meinen Stock in einen Zauberstab verwandelt, der genau EINEN Zauber ausführen kann. Was mache ich nun damit? Ich werde lange, sehr lange hin- und herentscheiden. Und dann werde ich etwas tun, über das ich sehr lange hin- und herentschieden habe. Während ich so hin- und herentschieden habe, vielleicht jahrelang, wird der Löwe in meiner Phantasie verdurstet sein. Ich werde dann diesen einen Wunsch aussprechen, diesen EINEN Zauber, bei dem es für immer bleiben wird und mit dem ich dann mein Leben leben muss: ... Ich wünsche mir meinen Stock und meinen Löwen zurück. Meine Vorstellungskraft, mein blindes Vertrauen, meinen inneren Kompass.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Ich denke zurück an das Baby in der S-Bahn. Das schreit, weil ihm etwas weggenommen wurde. Es geht um „Haben oder Nicht-Haben“. Die Antwort darauf fällt nicht schwer: „Haben!“. Wenn es doch immer so einfach wäre, zu wissen was man will! Wenn es nur ein Glühwürmchen am Horizont gäbe, statt die hell erleuchtete Skyline einer Großstadt. Dann würde sogar ich laut danach schreien.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Doch manchmal (!) hat das Leben tatsächlich ein Einsehen und schenkt uns einen echten Glühwürmchen-Moment. Einen Augenblick, in dem der innere Kompass völlig verrückt spielt und wir uns trotzdem wie von Geisterhand in die richtige Richtung bewegen. Es bleibt uns dann nur ein Wunsch, ein Wille und eine Wahl: In dem Moment, in dem ein Glühwürmchen ein anderes trifft und die Welt um sie herum auf wundersame Weise dunkel wird. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Der Moment, in dem alle Lichter ausgehen und die beiden Würmchen zum ersten Mal merken...&lt;br/&gt;...dass sie leuchten.&lt;br/&gt;</description>
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      <title>Der Kluge und sein Kopf</title>
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      <pubDate>Sun, 1 May 2011 17:49:14 +0200</pubDate>
      <description>Man muß lernen, auch in der Gesellschaft einsam zu sein, &lt;br/&gt;nicht alles, was man denkt, anderen mitteilen, noch es genau nehmen, &lt;br/&gt;mit dem was sie sagen, und keinesfalls den Gleichmut verlieren. &lt;br/&gt;Man muß also, mitten unter ihnen, nie ganz in ihrer Gesellschaft sein. &lt;br/&gt;So betrachtet ist dann die Gesellschaft mit einem Feuer zu vergleichen, &lt;br/&gt;an dem der Kluge sich in einiger Entfernung wärmt.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Arthur Schopenhauer&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Arthur Schopenhauer war ein kluger Mann, davon darf man ausgehen. Und man weiß nicht, was er sagen würde, wenn er wüsste, dass dieses Zitat von ihm am Morgen des 27. April 2011 vom Abreißkalender neben meinem Badezimmerspiegel auf mich herabschaute. Würde Schopenhauer Blend-a-med benutzen? &lt;br/&gt;So oder so, ich würde ihn gerne etwas fragen, wenn ich denn könnte. Und zwar, ob er diesen Gedanken auch heute wieder so fassen würde. Nicht etwa, weil die Gesellschaft heute soviel anders wäre, als noch vor 200 Jahren, nein, ich meine heute, wo sein Leben vorbei ist. Wo er tot ist und, womöglich fernab von jeder Gesellschaft, keine Strategie mehr benötigt, um sich selbst und andere besser zu ertragen. Wo er keine Erklärungen finden muss, weil sie für ihn nichts mehr bewirken werden. Wie gestaltet sich die Sicht auf das Leben, wenn man es als Ganzes vor sich zu liegen hat – weil man es hinter sich hat?&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Inmitten von Gesellschaft einsam zu sein. Das gilt es zu lernen, sagt Schopenhauer. Das heißt, sich selbst nahe zu sein, statt sich vereinnahmen zu lassen. Sich abzugrenzen von etwas, dem man nicht entkommen kann. Schopenhauer sagt ja auch: „All unser Übel kommt daher, daß wir nicht allein sein können.“ Während uns unsere Sehnsüchte also unverwindbar immer wieder in Gesellschaft drängen, deutet Schopenhauer auf einen „inneren Weg“ hin. Einen gedanklichen Pfad, dessen vor und zurück allein innerhalb des Individuums liegt und der demnach keiner Masse nachvollziehbar gemacht werden muss. Einen exklusiven Weg, der laut Schopenhauer jenen vorbehalten ist, die sich nicht einer fremdbestimmten Dynamik hingeben wollen oder können. Den „Klugen“, wie er sie nennt.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Die Gesellschaft als ein Feuer zu betrachten, an dem der „Kluge“ sich aus einiger Entfernung wärmt. Eigentlich ein schönes Bild. Solange sich der „Kluge“ selbst als Teil dieser Gesellschaft versteht, wärmt er sich dadurch ja auch ein wenig an sich selbst. Der Gedanke beschreibt hier aber wohl vordergründig die Entkopplung des Einzelnen vom selbstläufigen Getriebe eines großen Ganzen. Dem „Klugen“ wird die Rolle des wissenden Beobachters zuteil, dem das Gewusel um ihn herum bisweilen ein Lächeln ins Gesicht zeichnet, oder ihn abfällig mit dem Kopf schütteln lässt. Anders formuliert: wer klug ist, geht mit Bedacht seinen Weg – alles was abseits davon geschieht, ist Strohfeuer.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Man muss lernen, „nicht alles, was man denkt, anderen mitzuteilen – noch es genau nehmen, mit dem was sie sagen“. Nehmen wir es trotzdem mal genau mit dem, was Schopenhauer sagt. Nicht alles was man denkt, anderen mitzuteilen, das dürfte für die meisten von uns nicht allzu schwer sein. Behält doch ein jeder sich vor, nur das zu sagen, was ihm im Rahmen anvisierter Ziele auch förderlich erscheint. Was keinesfalls bedeutet, dass wir uns im schlechtesten Sinne des Wortes opportunistisch verhalten. Auch verletzende Wahrheiten oder unangenehme Geständnisse führen uns an ein Ziel, weil wir uns erhoffen, so unsere Realität ein wenig aufzuräumen, gerade zu rücken und von Missverhältnissen zu reinigen.&lt;br/&gt;Wovon aber redet nun Schopenhauer, wenn er erklärt, man dürfe nicht alles, was man denkt auch mitteilen? Worin genau besteht die Gefahr, sich selbst offenzulegen? Womöglich darin, kein adäquates Echo auf das zu bekommen, was man in den Wald hineinruft. Öffnet man sich anderen, erhält man einen Widerhall, der eingefärbt ist von den Zielen und Bedürfnissen des Gegenübers. Aber braucht man dafür wirklich, wie Schopenhauer andeutet, eine Alarmanlage im Dauerbetrieb, die einen vor unzweckmäßiger Interaktion bewahrt? Ist das kriminelle Hin und Her einander völlig fremder Gedanken nicht vielmehr der direkteste und zweckmäßigste Weg, sich selbst den Spiegel vorzuhalten?&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;„Niemals den Gleichmut verlieren“. In diesen Halbsatz fasst Schopenhauer die Essenz dessen, was er mit all den anderen Worten umschreibt. Gleichmut, das klingt auf den ersten Blick fatalistisch und träge, so wie Gleichgültigkeit. Gleichgültig zu sein beschreibt einen erstarrten Gemütszustand, in dem einen Positives wie Negatives gleichermaßen nicht mehr anzuregen vermag. Gleichmut hingegen meint etwas vermeintlich anderes. Er basiert auf innerer Ruhe und Gelassenheit, dient jedoch dabei dem Zwecke der Fokussierung. So kann das Leben im Hier und Jetzt in den Fokus rücken, derweil einen der Gleichmut Unbeeinflussbares, wie Tod oder Glück, einfach auf sich zukommen lässt. Schließlich verwenden wir viel zu viel Zeit damit, dass Unplanbare zu planen, statt mit den Bausteinchen zu spielen, die wir bereits in der Hand haben. Der Gleichmut lagert also das, was uns über das Hier und Heute hinaus beschäftigt, auf ein anderes Spielfeld aus, auf dem wir nicht selbst stehen, und das wir nur beobachten und reflektieren können. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Und wie sieht es mit den Träumen aus? Was ist mit den Wünschen und Bedürfnissen? Fallen die nicht auch dem Gleichmut zum Opfer? Was fangen wir überhaupt mit uns an, während wir in der gepolsterten VIP-Lounge sitzen und interessiert zuschauen, was das Glück, die Ängste, das Schicksal und die Träume unten auf dem Spielfeld so veranstalten? Sicher ist das Glück nicht planbar, und wir reiben uns daran auf, es trotzdem zu erzwingen. Wir möchten, dass das Schicksal sich ungeahnt über uns ergießt, doch es juckt uns in den Fingern, es zu testen und herauszufordern. Wir wollen bis zur letzten Träne gegen unsere Ängste kämpfen – auch wenn wir gar nicht gewinnen können, weil wir damit gegen ein Stück von uns selbst antreten. Und wir wollen unseren Träumen hinterherjagen, die uns ein Leben lang immer wieder den Glanz in die Augen zaubern und die doch nichts weiter sind, als Lotsen durch die Zeit. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Und weil das alles so komplett sinnlos erscheint, brauchen wir Gesellschaft. Mitstreiter, die neben uns ebenso verzweifelt  ihre eigenen Kämpfe ausfechten. Mitstreiter, mit denen wir dabei permanent zusammenstoßen – nur um kurz zu Weinen, die Wunden zu lecken und dem nächsten Zusammenprall entgegenzustürzen. Erst Zusammenstöße bringen doch den Kopf wirklich in Bewegung, erst dadurch begreifen wir. Und wenn wir glauben, etwas begriffen zu haben, rennen wir mit eben diesem Glauben im Kopf einfach weiter. Weiter, gegen die nächste Wand, den nächsten Kopf oder die nächste Glasscheibe. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Das ist ein Spiel das einen verzweifeln lässt, wenn man zuschaut. Jene die spielen hingegen sind voller Hoffnung. Das ist das Leben.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Wer druckt das nun auf ein Kalenderblatt?&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;</description>
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      <title>Der politikverdrossene Politiker</title>
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      <pubDate>Mon, 18 Apr 2011 15:13:48 +0200</pubDate>
      <description>Egon ist Minister einer fiktiven Republik mitten in Europa. Er sitzt morgens im Büro bei einer Tasse Cappucino aus dem semiprofessionellen Kaffeevollautomaten (2000 Euro) und versucht sich zu erinnern, wie das war, als er den Kaffee noch selber gekocht hat. Während in der Presse mal wieder verächtlich von „denen da oben“ die Rede ist, versucht Egon sich krampfhaft in „die da unten“ reinzudenken. Seine Sekretärin platzt mit einer kleinen Auswahl an Spritzgebäck herein und bringt Egon für einen Moment zurück ins Hier und Heute. Sie stellt den randvollen Teller auf den Schreibtisch und Egon greift zu. Dabei purzelt ein Keks vom Tellerrand auf den Boden. „Bitte kaufen sie doch morgen etwas weniger Gebäck, oder nehmen sie einen größeren Teller!“, merkt Egon freundlich an. Egon würde eine gute Sekretärin abgeben. Für dieses Aufgabenfeld reicht seine Problemlöse-Kompetenz vollends aus. Anders als bei den Sozialreformen. Da hat Egon leider ein bisschen den Überblick verloren.&lt;br/&gt;Egon könnte ein glücklicher Mensch sein, doch er hat ein großes Problem: er muss immer Recht haben. Oder um genau zu sein: es muss immer so aussehen, als hätte er Recht, würde stets Recht haben und hätte sowieso schon immer Recht gehabt. Denn dafür wurde er schließlich von den Wählerinnenundwählern gewählt.&lt;br/&gt;Nur ist das mit dem Rechthaben leider eine Sache, für die sich die Materie einen feuchten Kehricht interessiert. Wenn Egons Keks vom Teller plumpst, dann liegt er auf dem Boden – und es ist egal, ob es Egons Schuld war oder die seiner Sekretärin, die den Teller vielleicht wohlmeinend etwas zu reichlich befüllt hat. Doch Egon muss Recht haben, und er darf nicht Schuld sein – ob das nun den Keks betrifft oder die Arbeitslosenquote. Recht und Schuld, das sind zwei große Begriffe, und alle reklamieren möglichst viel von dem einen und möglichst wenig von dem anderen für sich. Egons Sekretärin bittet um Entschuldigung, hebt den Keks vom Boden auf, wirft ihn in den Mülleimer: Schuld abgeschoben, Problem vorübergehend beseitigt. Dafür sind Hierarchien schließlich da. Die Sekretärin verlässt den Raum und Egon ist wieder alleine mit seiner Zeitung. Er greift nach dem nächsten Keks – und wieder plumpst dabei ein anderer auf dem Boden. Plötzlich wünscht sich Egon, seine Mutter würde zur Tür hereinplatzen und ihm mit dem Suppenlöffel eins auf die Finger geben. Das Gefüge von Aktion und Reaktion wurde in seiner Welt irgendwie außer Kraft gesetzt. Egon soll Verantwortung übernehmen, aber im öffentlichen Bewusstsein darf er niemals Schuld sein. Wer in einer Sache schuldig ist, kann in einer anderen nicht mehr Recht haben, so scheint es. Die Schuld wandert deshalb wie ein großer, signalroter Wasserball über die Köpfe der Politiker hinweg. Dabei versuchen alle, den Ball nur so kurz wie unbedingt nötig mit den Fingerspitzen zu berühren und ihn dabei so weit wie irgend möglich ins Feld des Gegners zu befördern. Was den Wettkampf jedoch erst so richtig spannend macht, ist der kleine grüne Flummi, der ebenfalls im Spiel ist, und dem alle unentwegt hinterherspringen. „Wer den grünen Flummi fängt, hat Recht!“ Dass das Recht eigentlich rein gar nichts nützt, wenn man es hat, sondern nur, wenn man es tut, gibt der ganzen Veranstaltung einen tragischen Beigeschmack. Denn dafür, wirklich Recht zu tun, bleibt bei all dem Rumgehopse kaum noch Zeit. Das dachte sich Egon früher auch. Doch dann landete plötzlich mitten im Wahlkampf der grüne Flummi in seiner Sakkotasche und er fühlte sich wie der König der Welt. Alle feierten Egon und seinen Flummi. &lt;br/&gt;Bloß während man das Glück oft als eine (zumindest noch recht ansehnliche) Hure bezeichnet, ist die Gunst des Wählers eine billige Wandernutte. Sie wandert zu dem, der laut medialer Großwetterlage im Besitz des magischen Flummis ist. Und während Egon dem grünen Spring-Ins-Feld bei sich im Büro deshalb extra einen Hochsicherheitsschrein errichtet hatte, berichtete die Zeitung plötzlich, das begehrte springende Objekt sei in der letzten Polit-Talkshow ganz offensichtlich im Wasserglas des politischen Gegners gelandet. Egon dämmerte, dass er wahrscheinlich nicht der erste war, der einen Flummischrein in seinem Büro gebaut hat. &lt;br/&gt;Es gibt wohl mehr als eine Wahrheit. &lt;br/&gt;Egon beschlich die Angst, unter dem Einfluss des grünen Flummis ziemlich viel Mist verzapft zu haben. Doch er bestellte einfach schleunigst eine lebendige Weihnachtsgans und ließ sie anschließend feierlich begnadigen. Das rückte sein Image wieder gerade. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Egon starrt auf den kleinen Schrein, der noch immer bei ihm im Bücherregal steht. Der grüne Flummi darin ist schon reichlich vergilbt. Egon nimmt noch einen Keks von dem Teller, der einfach nicht leerer werden will. Wieder fällt ein anderer Keks dabei auf den Boden. Egon gibt sich eine Backpfeife, hebt den Keks auf, steckt ihn in den Mund und lächelt. So schnell kann man eins mit der Materie werden. Morgen wird Egon seinen Rücktritt von allen Ämtern erklären. Warum, das weiß er noch nicht – aber da wird ihm schon noch etwas einfallen.</description>
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      <title>Lebst du noch oder scheiterst du schon?</title>
      <link>http://www.florianhawemann.de/home/Blog/Eintrage/2011/4/9_Lebst_du_noch_oder_scheiterst_du_schon.html</link>
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      <pubDate>Sat, 9 Apr 2011 13:22:54 +0200</pubDate>
      <description>Aufrichtigkeit, Weisheit, Geduld, Tapferkeit, Gerechtigkeit, Bescheidenheit... &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Wer auf dieser Welt ist eigentlich der Mensch mit den meisten tugendhaften Eigenschaften? Dem, der hier an seinen Partner denkt, empfehle ich, diesen umgehend bei der nächsten Pfahlsitzweltmeisterschaft im Heide-Park Soltau anzumelden (der Rekord liegt bei 196 Tagen). Wer glaubt, er sei womöglich selbst dieser tugendreichste Mensch, dem kann ich eins mit Sicherheit verraten: Er ist ein Depp. Was also bleibt ist folgende Frage: „Warum zum Teufel bin ich eigentlich nicht derjenige welcher?“ Könnte man nicht von jetzt auf gleich beschließen, sich tugendhaft perfekt zu verhalten? Man bräuchte weder Geld dazu, noch bedürfte es Kanönchen oder gar Kanonen. Nicht einmal sexy Bewerbungsfotos sind von Nöten. &lt;br/&gt;Also wo liegt die Hürde, die es zu überspringen gilt? Man kommt nicht umhin anzuerkennen, dass die allermeisten Menschen an moralischem Perfektionismus gar nicht interessiert sind. Möglicherweise ist es mit den Ansprüchen an sich selbst wie mit dem Fuchs und den Trauben: All dem, was zu hoch hängt wird einfach der Reiz abgesprochen. So wie der Fuchs vergeblich versucht, die Trauben zu erreichen, haben wir doch alle diverse missglückte Versuche hinter uns, tapfer, aufrichtig, fleißig oder gerecht zu sein. Und kaum wird einem die Ausweglosigkeit seines Unterfangens bewusst, definiert man einfach ein neues Ziel. Bloß warum kommt man überhaupt auf die Idee, irgendwelchen hehren Ansprüchen an sich selbst nachzujagen? Jeder weiß doch: „Nobody is perfect.“ Dabei muss man diesen klangvollen, beruhigenden Satz ja fast schon als Warnung verstehen – Viele, die nach Perfektionismus streben, landen schließlich schon im Kindesalter dafür mit dem Gesicht im Matsch. Im späteren Leben umkurven sie daraufhin dann jede Matschpfütze weiträumig. Anders gesagt: Solche, die ein hohes Ideal von sich selbst haben, verlangen dieses auch ihrem Umfeld ab – was sich daraufhin nicht selten rar macht. Weisheit, Geduld und Gerechtigkeit, das geht schwer zusammen mit „Verlieben, Verloren, Vergessen, Verzeihen.“&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Trotzdem haftet uns allen der Drang an, sich tugendhaft zu verhalten. Auch denen, die es nicht tun – zu denen ich mich zähle. Wir fühlen uns schlecht, wenn wir das Gefühl haben uns „falsch“ verhalten und die „richtige“ Entscheidung ignoriert zu haben. Der Weg zurück zur guten Laune führt dann nicht selten darüber, das Fehlverhalten als Teil unseres Menschseins zu akzeptieren. Wir schauen uns um und stellen fest: die anderen sind auch nicht besser. So sehr, wie es uns deprimiert, wenn alle Welt glücklicher ist als man selbst, so sehr kann es beruhigen zu sehen, wie um einen herum die Werte des Abendlandes in der Pfeife geraucht werden. „Mein Kumpel betrügt seine Freundin? Dann wird es ja irgendwie auch in Ordnung sein, wenn meine Hosen von 12jährigen Inderinnen zusammengenäht werden.“ Klingt abwegig? Ist es auch. &lt;br/&gt;Oder doch nicht? &lt;br/&gt;Mit all dem, was in unserem Umfeld schief läuft, sinkt gefühlt der Druck auf uns selbst, es „richtig“ zu machen. Die Hemmschwelle wird kleiner, sich einfach zurückfallen zu lassen und inkognito im Strom der Menge unterzugehen, gleichgültig und zufrieden. Das ist die eine Art der Wahrnehmung. Andererseits wächst der Druck auf jeden Einzelnen, die Puzzleteile nach eigenem Wissen und Gewissen zu bewerten und sich zu fragen, wer hier eigentlich entschieden hat, was passt und was nicht. Andernfalls findet man sich irgendwann am Ende einer Folge nachempfundener Gedanken und Verhaltensweisen wieder, die gefühlt keinen Ursprung besitzt.&lt;br/&gt;Um das zu verhindern entschließen sich Menschen immer wieder, gegen den Strom anzuschwimmen. Man wird den Lauf der Dinge damit ganz bestimmt nicht umkehren. Es könnte sich das Gefühl einstellen, jahrelang auf der Stelle zu rudern, während alle anderen sich meilenweit entfernen. Wahrscheinlich wird man immer wieder auf‘s neue feststellen müssen, dass man an seinen Ansprüchen gescheitert ist, scheitert und scheitern wird. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Aufrichtigkeit, Weisheit, Geduld, Tapferkeit, Gerechtigkeit, Bescheidenheit...&lt;br/&gt;Wer möchte nicht daran glauben, dass die Welt eine bessere wäre, wenn sie nach diesen Maßgaben funktionierte. Doch das sind Worte, die bereits auf dem Papier nach unerfüllbarem Vorbild klingen. Nach Anforderungen, die uns schon beim Lesen ein schlechtes Gewissen bereiten. Wenn es darum geht, diesem Ideal gerecht zu werden, sind wir – mit all unseren Bedürfnissen und Ängsten – dafür gebaut, grandios zu scheitern. Was wir aber, das glaube ich zumindest, in der Hand haben, ist der freie Wille, es zu versuchen. Und wenn wir uns dafür entscheiden, es zu versuchen, dann sollten wir das Scheitern vielmehr als Belohnung, denn als Makel betrachten. Jedes Scheitern ist der hart erkämpfte Beweis dafür, es versucht zu haben. &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;Es immer wieder zu versuchen. Das könnte der moderne Inbegriff der Tugend schlechthin sein. Vor allem in einer westlichen Welt, in der sich das fade Leben wie eine schwere Bettdecke auf unsere bürostuhlgebeugten Körper legt und uns einflüstert, all die unheimlichen Geräusche da draußen vorm Fenster, das wäre doch nur der Wind. Das himmlische Kind.&lt;br/&gt;</description>
    </item>
    <item>
      <title>About Losing&#13;</title>
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      <pubDate>Thu, 31 Mar 2011 18:40:37 +0200</pubDate>
      <description>We hold our hands, when babies are born.&lt;br/&gt;We hold our hands, when we die.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;This is all I know for sure&lt;br/&gt;About connection. &lt;br/&gt;– But what about my job contract?&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;We do not want to feel lonesome.&lt;br/&gt;We want to feel useful for someone.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;This is all I know for sure &lt;br/&gt;About motivation.&lt;br/&gt;– But what about my monthly paycheck?&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;When we‘re young, we yearn to grow up&lt;br/&gt;Until after a while, we want to be children again.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;This is all I know for sure&lt;br/&gt;About the steps in life.&lt;br/&gt;– But what about my career?&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;... Holding hands&lt;br/&gt;... Longing to be useful&lt;br/&gt;... Taking on the future ... Nostalgia&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;This is all I want to know &lt;br/&gt;About being human.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;But underneath it all&lt;br/&gt;There is something else&lt;br/&gt;That binds us all together.&lt;br/&gt;Fear.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;The fear to fall short &lt;br/&gt;Of one‘s own expectations &lt;br/&gt;And of those, that others have.&lt;br/&gt;Most often, we are not aware of this fear.&lt;br/&gt;It disguises as ambition.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;It makes us&lt;br/&gt;... Search for jobs&lt;br/&gt;... Worry about money&lt;br/&gt;... Live for our careers&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;It makes us think of ourselves, &lt;br/&gt;Instead of others.&lt;br/&gt;It makes us believe, &lt;br/&gt;That there is something to lose.&lt;br/&gt;But there is nothing to lose&lt;br/&gt;Besides fear itself.&lt;br/&gt;&lt;br/&gt;... Holding hands &lt;br/&gt;... Longing to be useful &lt;br/&gt;... Taking on the future / Nostalgia &lt;br/&gt;... Searching for jobs &lt;br/&gt;... Worrying about money  &lt;br/&gt;... Living for our careers  &lt;br/&gt;&lt;br/&gt;We cannot escape the circumstances.&lt;br/&gt;Still, we can decide to live,&lt;br/&gt;Instead of living up to expectations.</description>
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